seine Antrittspredigt:
Ich habe heute schon einige Hände geschüttelt. Mit unseren Händen begrüßen wir einen Menschen, wir reichen sie einander, wir helfen, wir trösten und wir segnen. Hände können festhalten – aber sie können auch loslassen. Sie können bauen, gestalten und Neues entstehen lassen.
Gerade beim Einzug in eine neue Pfarre sind Hände ein schönes Zeichen: Eine Pfarre lebt von vielen Händen, die miteinander anpacken, die füreinander da sind und die gemeinsam Kirche gestalten. Und über all unseren menschlichen Händen steht die Zusage Gottes: „Ich halte dich in meiner Hand.“
Schauen wir auf unsere Hände. Wir brauchen sie jeden Tag, meistens ohne darüber nachzudenken. Wir stehen morgens auf, nehmen den Kaffee in die Hand, öffnen eine Tür, schütteln jemandem die Hand, schreiben eine Nachricht, arbeiten, kochen, tragen, helfen, streicheln, winken. Unsere Hände etwas ganz Besonderes, weil:
1. Hände sind einzigartig
Es gibt keine, die genau gleich sind. Unsere Hände tragen unsere persönliche Geschichte. Meine begann 1973 in Reuthe, mit 7 Geschwistern aufgewachsen,
und führte nach dem Theologiestudium über Altach-Götzis, Lustenau-Kirchdorf dann die letzten 18 Jahre nach Egg und Großdorf. Prägungen, Eindrücke aus dieser Zeit bringe ich mit. Aber auch die Erfahrung: Manche sind von Arbeit gezeichnet, andere tragen Spuren von Krankheit oder Alter. Kinderhände sind klein, alte Hände erzählen von vielen Jahrzehnten. Manche tragen viel Engagement in sich. einige sind zart, andere rau. Wenn wir einem Menschen die Hand geben, berühren wir ihn ganz unmittelbar. Wir sagen damit: Ich sehe dich. Ich nehme dich wahr.
Vielleicht passt das auch zum heutigen Pfarreinzug. Denn eine Pfarre besteht nicht zuerst aus Gebäuden, Sitzplätzen, Programmen oder Strukturen. Eine Pfarre besteht aus Menschen. Aus vielen verschiedenen Händen. Aus Menschen mit unterschiedlichen Begabungen, unterschiedlichen Erfahrungen und Lebensgeschichten. Und genau diese Vielfalt ist wertvoll. Hände, die anpacken, mittragen und für andere da sind. Und manchmal sind gerade die Hände wichtig, die niemand sieht.
Es gibt aber auch eine Handhaltung, die wir kennen: Die Hände in der Tasche. Manchmal ist das bequem. Ich muss nichts tun. Ich halte mich heraus. Andere werden es schon machen. Auch in einer Pfarrgemeinde kann man leicht in diese Haltung kommen: „Dafür sind doch andere zuständig.“
Und darum heißt es als 2.: Hände aus der Tasche nehmen!
Eine lebendige Pfarre braucht Menschen, die ihre Hände aus der Tasche nehmen. Menschen, die sagen: Ich mache mit. Nicht jeder muss alles können. Niemand muss sich überfordern. Aber jeder und jede hat etwas, das er oder sie einbringen kann. Vielleicht ist es eine Stunde Zeit. Vielleicht ein freundliches Wort. Vielleicht eine Idee. Vielleicht ein Gebet. Vielleicht die Bereitschaft, jemanden abzuholen oder zuzuhören. Hände aus der Tasche nehmen heißt: Ich übernehme Verantwortung für das gemeinsame Leben.
Und doch wissen wir – es braucht auch die Zeiten des Nichtstun und die Seele baumeln lassen: 3. Hände in den Schoß legen!
Und manchmal brauchen wir genau das. Wir können nicht immer machen, organisieren und leisten. Jesus selbst hat sich immer wieder zurückgezogen. Wir dürfen die Hände in den Schoß legen und sagen: Jetzt muss ich nichts leisten. Jetzt darf ich einfach da sein. Manchmal bedeutet Glaube auch: Ich lege meine Hände in den Schoß und weiß mich in Gottes Hand getragen.
Und damit sind wir beim nächsten Punkt: 4. Hände falten!
Wenn wir die Hände falten, tun wir etwas sehr Einfaches und zugleich sehr Tiefes. Wir unterbrechen unseren Alltag. Wir halten inne. Wir bringen vor Gott, was uns beschäftigt. Unsere Freude und unsere Sorgen. Unsere Dankbarkeit und unsere Fragen. Unsere Menschen und unsere Zukunft. Gefaltete Hände erinnern uns daran: Ich muss nicht alles alleine tragen.
Das passt auch für heute: Wir beginnen einen neuen Weg. Wir wissen nicht, was alles kommen wird. Wir kennen vielleicht manche Herausforderungen. Wir haben Wünsche, Hoffnungen und vielleicht auch Sorgen. Darum dürfen wir unsere Hände falten und beten:
Gott, begleite uns. Schenke uns Mut, wenn wir unsicher sind.
Schenke uns Geduld, wenn etwas nicht sofort gelingt.
Schenke uns offene Augen für die Menschen, die uns brauchen.
Und schenke uns offene Hände, damit wir empfangen und geben können.
Und schließlich: 5. Wir legen die Hände zusammen.
Wir müssen nicht alle gleich sein. Wir müssen nicht dieselbe Meinung haben. Wir müssen nicht dieselben Fähigkeiten besitzen. Aber wir können unsere Hände zusammenlegen. Wir können zusammenarbeiten. Wir können einander unterstützen. Und wir können unsere Hände zusammenlegen und Gemeinschaft gestalten. Eine Pfarre wird dort lebendig, wo Menschen nicht nur nebeneinander sitzen, sondern miteinander verbunden sind.
Unsere Hände können so vieles. Schlussendlich brauchen wir für eine lebendige Pfarre nicht die perfekten Hände. Wir brauchen offene Hände. Und vielleicht dürfen wir dabei auch darauf vertrauen, dass über uns die Hand Gottes ist, die uns hält, die uns aufrichtet, die uns daran erinnert: Du bist nicht allein.